Videos im Informatikunterricht

Ich persönlich kann mit Video-Tutorials (aka Erklärvideos oder Lernvideos) ja als Lerner eher wenig anfangen. Klar, Visualisierungen sind gut, aber in vielen Videos einfach zu schlecht. Einen Text habe ich viel schneller überflogen und auf Eignung geprüft und dann die für mich wichtigen Stellen reduziert. Bearbeiten->Suchen funktioniert auf YouTube leider noch nicht. Einen Text habe ich auch schneller gelesen, als ein Video geschaut. Die automatisch generierten Untertitel und die Anpassung der Geschwindigkeit bringen da zwar etwas, aber gerade bei Informatik: Aus einem Video kann ich auch kein Copy&Paste von Beispiel-Code machen. Vielleicht bin ich aber auch nur ein von der Kommandozeile großgezogener Kauz 😉

Vielleicht sind Video-Tutorials für SchülerInnen auch genau das richtige. Dann bin ich aber nicht der richtige, diese zu produzieren, ich beschränke mich dann höchstens darauf diese zu suchen, es gibt schließlich schon so viele und darunter wirklich gute. Eigentlich sollten sie auch selber suchen. Und ob sie dann ein Video, ein Audio, einen Text oder einen Menschen finden, der ihnen hilft ist auch egal.

Produzieren von Videos

Besser als das passive Anschauen finde ich das Erstellen von Videos im Unterricht: Mit dem abgewandelten Nachstellen eines auf inf-schule.de gefundenen Erklärvideos zum Murmelrechner habe ich als Lehrer allerdings schlechte Erfahrungen gemacht: Wie das Ding funktioniert und wozu es da ist wurde den SuS dadurch nicht so richtig klar.

Ich möchte erreichen, dass die SchülerInnen an einem Problem arbeiten, das sie interessiert und – was in Informatik meist ganz gut geht – zur Lösung am Ende ein Produkt entsteht, auf das sie stolz sein können.

Zwei SchülerInnen haben sich z.B. im letzten Schuljahr mit der Frage beschäftigt, ob man das Internet abschalten kann und dazu ein Erklärvideo im Legetrick-Stil erstellt: YouTube: Kann man das Internet abschalten? (Das „Wackeln“ wurde von den MitschülerInnen kritisiert, war aber eigentlich gedacht, damit die statischen Bilder nicht zu langweilig sind)

Gefreut habe ich mich auch, als ein Schüler ein konkretes Problem im Projekt zu Webseiten für seine Mitschüler im Screencast erklärt hat: CSS- UND HTML-PFADE?! Wie soll das gehen? (Er würde sich über Views und Daumen hoch sicher freuen 😉 )

Spielfilme, Dokumentationen und Serien

Nicht nur für die berühmte „Letzte Stunde“ vor den Ferien eignen sich auch längere Spielfilme, Dokumentationen und Episoden aus Serien für den Unterricht – besonders für den Bereich „Informatik und Gesellschaft“. Im Herbst 2017 ist in Zusammenarbeit mit Studierenden dazu u.a. diese kleine Liste entstanden (Note to self fürs nächste Mal: Ergebnisse im öffentlichen Wiki dokumentieren lassen…):

  • 23 – Nichts ist so wie es scheint
  • Blackhat
  • Citizenfour
  • Democracy
  • Drone
  • Eagle Eye
  • Ex Machina
  • Hidden Figures
  • I, Robot
  • Matrix
  • Mr Robot
  • Person of interest
  • Plug & Pray
  • Real Humans
  • Snowden
  • Stirb Langsam 4.0
  • Surogates
  • Terminator
  • The Imitation Game
  • Tron
  • Wargames
  • We are Legion
  • Who am I
  • Zero Days

Wie nutzt ihr (welche) Arten von Videos im Informatikunterricht?

4 Gedanken zu „Videos im Informatikunterricht“

  1. Deine Liste finde ich wirklich interessant und brauchbar, schön mal realistische und schülernahe Inhalte von einem echten Informatiklehrer zu sehen. Um eigene Videos erstellen zu können fehlen mir schlichtweg die Technik & die Zeit.

    Videos benutze ich im Informatikunterricht bislang nur als Impuls, insbesondere zum Einstieg. Da speichere ich mir gerne alles ab, was mir auf twitter, Facebook und co. zufällig begegnet (Dokus, Kuriositäten oder Musikvideos) oder sich auf den diversen „pädagogisch wertvollen“ Seiten findet.

    Wobei ich sagen muss, dass bei uns das Fach eher einem ITG-Unterricht ähnelt (ca. 50% Office, 25% Internet/Medien, 25% Kreativität & Programmieren) und über die Ergänzungsstunden somit selbstkonstruiert ist – einen Lehrplan gibt es bekanntlich nicht bzw. nur für das WP-Fach.

    Nachgedacht habe ich schon über das Konzept des flipped Classroom, das sich besonders in diesem Fach eignen könnte. Speziell alle Inhalte, die etwas mit Office zu tun haben, sind doch öfters ziemlich nervig. Erst darf man vorne so ziemlich alles zeigen bzw. vorführen und wird dann anschließend beständig vom halben Raum zu Hilfe gerufen.

  2. Danke für deinen Kommentar. Ich stimmte dir zu: Bei Anwendungsschulung kann ein Video von den SuS im eigenen Tempo „nachgearbeitet“ werden und so die Lehrkraft entlasten.

    Für LibreOffice habe ich da erst gestern das hier für das nächste Schuljahr gefunden zum Thema „Inhaltsverzeichnis mit Formatvorlagen erstellen“: https://www.youtube.com/watch?v=dnPY4n-e2Wk

    Was die Technik angeht: Außer einer Software für Video-Schnitt und Screen-Recording brauchst du für die ersten Versuche eigentlich nicht mehr. Ich benutze dazu unter macOS iMovie und iShowU (https://shinywhitebox.com/store). Habe außer einigen wenigen Anleitungen aber auch nicht mehr gemacht, denn das Problem mit der Zeit habe ich auch…

  3. Bei den längeren Filmen könnte man noch Enigma (2002) und Sneakers aufnehmen. Habe ich gerne im Bereich Kryptographie gezeigt. Vor den Ferien mal komplett, sonst vor allem Enigma einfach mal in Auszügen, in denen etwas zur Maschine gezeigt oder erklärt wird.
    Als kleinen Gag zeige ich, wenn es um Sortieralgorithmen geht, gerne mal die Tanzvideos der Sapientia University (z.B. https://www.youtube.com/watch?v=ywWBy6J5gz8).

    Aber wirklich zur eigentlichen Erarbeitung habe ich bislang keinerlei Videos genutzt, mir ist da bislang auch noch nicht das passende untergekommen. Die Geschichte mit den selbstgemachten Stop-Motion-Videos finde ich aber sehr interessant. Das könnte ich mir gut vorstellen auch mal im eigenen Unterricht umzusetzen.

  4. Danke für die Ergänzung. Stimmt: Die Videos von AlgoRythmics zu Sortierverfahren sind super! Ich mache es meisten so, dass ich ein Video zeige, bespreche und die SchülerInnen dann ein eigenes zu einem anderen Verfahren erstellen. Macht auch mit weniger Tanzbegabung Spaß 😉

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