Lehrerraumsystem

a311Nach meinem Referendariat hatte ich ein Vorstellungsgespräch an einer Schule mit Lehrerraumsystem. Also: Jeder Lehrer hat seinen eigenen Raum (ggf. teilen sich Teilzeitkräfte einen Raum) und die Schüler wechseln für jeden Unterricht den Raum.

Ich hatte damals die Vorstellung, dass dies ja total blöd sei, da der zentrale Kommunikationspunkt (Lehrerzimmer) dadurch an Wertigkeit verliert und es so zu weniger Austausch im Kollegium kommt.

Ich bin dann an eine Schule gekommen, die das (in Deutschland) „normal“  Klassen- und Fachraumsystem praktizierte und vor kurzem auf das Lehrerraumsystem umgestellt hat.

Seit knapp zwei Jahren habe ich nun meinen eigenen Raum und finde es super, meine drei Hauptgründe:

  • Ich weiß genau welche (technische) Ausstattung ich habe, wie diese funktioniert, ob diese funktioniert und wenn nicht bin ich sehr an einer zügigen Lösung interessiert – Sonst ist irgendwie jeder und somit keiner verantwortlich
  • Ich kann den Raum in Freistunden tatsächlich als Büro nutzen und dort arbeiten – Das Lehrerzimmer ist zu laut und mit zu viel Ablenkung
  • Material, das ich benötige ist immer vorhanden – Ich muss weniger herumtragen und kann auch mal improvisieren, da ich Material zur Gruppenbildung, Plakate o.ä einfach da habe

Die Schüler müssen häufiger die Klassen wechseln, ich kann verstehen, dass einige das nervig finden, aber ehrlich gesagt führt das a) dazu, dass sie sich bewegen und b) weniger Unfug & Vermüllung im Klassenraum stattfindet.

Ich bin immer noch jede Pause im Lehrerzimmer. Aber ja, einige Kollegen sind jetzt seltener dort anzutreffen. Was ich gut verstehen kann, wenn der Raum im anderen Gebäude in der dritten Etage ist. Aber dann treffen Fachkollegen sich eben dort. Ganz abgesehen davon, dass die Pausen für wirklichen Austausch eh zu kurz sind. Meist werden nur knappe organisatorische Absprachen getroffen. Und das klappt immer noch gut. Für bereichernden Austausch habe ich mein digital und analog gepflegtes PLN.

Bei uns wurden die Räume zunächst verlost. Im nächsten Jahr wurden Fachflure eingerichtet, so dass zumindest die Kernfachlehrer in räumlicher Nähe angeordnet sind. Bei einigen Lehrer, die viel Unterricht haben, der sowiso im Fachraum stattfindet, kann auch ein solcher Fachraum dann Lehrerraum werden. Durch meinen hohen Anteil an Informatikunterricht habe ich damit zugegebenermaßen bei der Verteilung der Räume extremes Glück gehabt: Ich bekam einen der drei Computerräume, der zwar nicht perfekt – da recht klein – ist, aber eigentlich schon ziemlicher Luxus: Whiteboard, Beamer, 15 PCs mit Internet. Also kann ich jetzt auch mit meinem LK Sozialwissenschaften und meinen 6er in Praktische Philosophie gazn gut digital gestützt unterrichten.

Mein Raum sieht so aus:

Ob ich bei einem weniger guten Raum für mich das Lehrerraumsystem auch noch gut finden würde? Wahrscheinlich, denn es würde mir erlauben, mich wenigstens dauerhaft darauf einzustellen und eigene Lösungen zu finden.

Letzten Endes noch besser wären meiner Ansicht nach ganz andere räumliche Arrangements, die nicht mehr Fach- oder Klassenzentriert sind, sondern auch architektonisch indiviudelles Lernen ermöglichen – z.B Lernbüros. Aber bis dahin ist so ein Lehrerraum als Brückentechnologie schon ok 😉

tl;dr

Solange es keine Lernbüros oder rein projektorientierten Unterricht gibt sondern weiterhin Fächer und Klassen, empfehle ich das Lehrerraumsystem, da der Lehrer so einfacher eine vorbereitete Umgebung schaffen kann.

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