Israelaustausch: Besuch aus Arad in Dinslaken

Quelle: Google Earth / Landsat

Ich war als Schüler zweimal im Rahmen von „Jugend­begegnungs­maßnahmen“ in Israel. Dazu gekommen bin ich eigentlich mehr so über zufällige Umwege: Mama war da und große Schwester von bestem Freund. Also… warum nicht? Klingt spannend, ist sonnig, schau ich mir mal an. Ich hatte ja keine Ahnung.

Rückblickend haben mich diese Aufenthalte schon ziemlich beeinflusst. Und das nicht nur, weil ich mir „Fight Club“ lesend am Strand von Tel Aviv den Sonnenbrand meines Lebens geholt habe, den man noch 10 Jahre später sehen konnte…

Nein, sondern weil ich so erst verstanden habe, dass die Welt nicht immer ganz so einfach ist. Und es immer mindestens eine andere Perspektive gibt.

Sehr stark beeindruckt hat mich damals der etwa gleichaltrige Jugendliche, der mir erklärte, dass er sich sehr auf seinen dreijährigen Militärdienst freue aber die UN doch ruhig mal ein paar Monate weggucken solle – Israel würde das Problem mit den Palästinensern dann schon erledigen.

Noch bewegender war  der erste Besuch in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem.

„Es ist kompliziert“. Und mit jeder angeblichen Antwort tun sich mindestens zwei Fragen auf.

Ich kann und will hier weder die deutsch-israelischen Beziehungen noch den israelisch-palästinensischen Konflikt erklären, ich möchte hier nur ein paar Eindrücke aus meiner letzten Austauscherfahrung schildern:

Am meiner Schule existiert seit fast 20 Jahren ein Austausch mit einer Schuler in Arad, einer Planstadt in der Negev-Wüste. Ich war mittlerweile dreimal mit Schülergruppen dort und habe vier Mal israelische Gruppen hier empfangen, begleitet und das Programm organisert..

Auch diesmal war ich Gastgeber für einen Lehrer. Und das ist ja meist mit etwas Aufwand verbunden…

Oft sind es dabei auch einfach die Kleinigkeiten, die am meisten auffallen:

So mag ich mag es auch wirklich in der Negev zu ein, aber wenn ich zurück komme, dann freue ich mich über jede grüne Wiese in Deutschland.

Die Israelis wollten unbedingt nach Berlin, was aufgrund von fast 600km Fahrt jetzt m.E. nicht unbedingt so sinnvoll ist, aber gut. Auf dem Weg dahin hatte ich diesmal sehr schnell den Eindruck, eine wirklich tolle Gruppe zu haben…

Um die Fahrt etwas zu entspannen, etwas Geschichtsprogramm dazuwischenzuschalten (und weil ich noch nie dort war 😉) haben wir einen Zwischenstopp beim ehemaligen Grenzübergang Helmstedt-Marienborn gemacht. Die Gedenkstätte war für eine englisch-sprachige Gruppe eher weniger geeignet, aber ich habe dann hier und da einfach die wesentlichen Aspekte über die Deutsche Teilung zusammengefasst.

Berlin war voller Sightseeing. Ich habe versucht die Schüler zu nerven, indem ich nach diesem Charlie vom Checkpoint gefragt habe…

Vor der Heimfahrt stand noch das Deutsche Technikmuseum auf dem Programm, als Informatiker musste ich mir dort natürlich der Nachbau der Z1 ansehen. Ich muss gestehen, ich habe nicht verstanden, wie das Ausgabewerk die Zahlen darstellen soll.

Mein Gast berichtete mir am Abend, immernoch sichtlich aufgewühlt, von seinem krassesten Erlebnis:

Der für mich markenteste kulturelle Unterschied zwischen Israelis und Deutschen ist wohl ein ganz banaler und klischeehafter: Die Auslegung von Pünktlichkeit (deutsch). Der nächste Freundlichkeit & Offenheit (israelisch). Ein weiterer ist der Gebrauch des Smartphones, der mir oft vor Augen führt, dass digital nicht immer besser ist:

Aufgrund der teils unterschiedlichen Preise bzw. Einkaufsmöglichkeiten liegt bei einigen Gästen aber leider die Priorität eher weniger bei Kultur und mehr bei Konsum…

Der Trick bei solchen Programmen ist, dass man das informative und das touristische verweben und verpacken muss. Also z.B. erst Werksbesichtigung im Stahlwerk von tyssenkrupp, dann Mittagspause & Shopping im CentrO Oberhausen und dann Industriekultur im Landschaftspark Duisburg.

Und am Ende zeigt sich, dass sich die Anstrengungen doch gelohnt haben:

Wenn Menschen trotz Unterschiede in Sprache, Herkunft und Religion oder sogar vorhandener Vorurteile Gemeinsamkeiten finden und Freundschaften schließen ist das großartig! Und nach den Gemeinsamkeiten fallen dann oft die Unterschiede auf, durch die man umso mehr lernt.

Und hier nun mein Ohrwurm der Woche:

tl;dr

Ein #Israelaustausch ist manchmal anstrengend, aber lohnt sich: Die persönliche Begegnung macht Spaß und eröffnet neue Perspektiven für alle Beteiligten.

Finanzieller Förderung für Austauschprogramme mit Israel / Palästina:

Ein Gedanke zu „Israelaustausch: Besuch aus Arad in Dinslaken“

  1. Danke, das fand ich sehr interessant. (Ich war nur einmal einige Wochen in Tel Aviv, war dabei auch in Yad Vashem, hat mich auch sehr bewegt.)

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