Kinderleichte Computer

Seit Anfang des Schuljahres 2005/2006 betreue ich eine Computer-AG für 5 und 6-Klässler an einer Duisburger Gesamtschule. Das macht nicht nur Spass und bringt ein wenig Geld, sondern ist dazu noch ziemlich lehrreich (für mich und hoffentlich auch die Kinder) sowie recht interessant.

Besonders letztens habe ich dabei einige bemerkenswerte Beobachtungen gemacht, wie scheisse doch Computer immer wieder sein können. Jetzt ganz abgesehen von dem schrecklich administrierten Netz an der Schule. Sowas passiert halt, wenn ein schon so genug beschäftigter Lehrer das nebenbei erledigen soll, weil die Schule niemanden bezahlt der sich richtig damit auskennt. Das man den Schülern dann quasi beibringen muss ungelesen Fehlermeldungen wegzuklicken und sich zum Beispiel mit den „kleinen Fehler“ eines Internet Explorers auseinandersetzen muss ist jetzt nicht sooo schön.

Kleiner Exkurs, zurück zum Kern: Schon mal nem Kind dabei zugesehen, wie es seine ersten Schritte am Computer macht? Nein? UI Designer sollten dies mal in Erwägung ziehen. Denn es sollte genau das Ziel einer guten Benutzeroberfläche sein, dass sie intuituv benutzbar ist. Windows XP ist weit davon entfernt. Windows 2000, welches in der genannten Umgebung zum Einsatzt kommt gleicht einer Katastrophe.

Wenigstens ist XP weg von dem absolut sinnfreien Strg-Alt-Enft zum anmelden. Ja, mag sinnvoll sein, dass eine bestimme Tastenkombination nur vom Betriebssystem und keinem Anwendungsprogramm abgefangen werden darf, so dass Trojaner auf dieser Ebene verhindert werden. Aber… das sind Probleme mit denen man einen Benutzer nicht konfrontieren darf. Der will ein System benutzen.

Was für eine verdammt gute Idee das Dock bei Mac OS X ist, habe ich ebenfalls bemerkt. Ich selbst benötige selten mehr als die 19 Applikationen in meinem Dock. OK, ich gebrauche auch das Terminal und ich habe einige gesehen, die ihr Dock zupflastern mit kleinen icons, aber der Durchschnitzbenutzer braucht: Dateimanager, Browser, Mail, Textverarbeitung, Kalender, Photo-Verwaltung.

Dazu kleiner Beispiel-Dialog:
Ich: „OK, dann starte doch mal Word.“
Sie: „?“
„Ok, Kleiner Tipp: Start->Programme->Office->Word“
[Programm wechsel, da etwas per Zwischenablage kopiert werden soll]
Ich: „Gut, jetzt wechsle bitte wieder zu Word“
Sie: Start->Programme…

Nope. Die laufenden Programme sind unten…Und warum sollte es einen Unterscheid geben zwischen dem Starten eines Programmes und dem wieder Aufrufen eines laufenden?

Ausserdem: Die Handhabung der Maus, besonders beim markieren von Texten ist lange nicht so trivial, wie sie einem geübten Menschen (z.B. du, der das hier liest) vor kommt. Und so billig es auch klingt, aber grosse Bereich und Bereiche am Rande des Bildschirm sind einfacher zu erreichen als andere.

Ebenfalls sehr interessant fande ich das Verhalten der Kinder jeden Begriff zu dem sie etwas im Internet finden wollten, erstmal als „www.[Begriff].de“ im Browser einzugeben. Des weiteren: Schon mal versucht einem Kind zu erklären, warum in „Internet-Adressen“ keine Leerzeichen vorkommen dürfen?

Und: freemail.web.de ist quasi unbenutzbar für jemanden der keine Ahnung hat. Total überladen. Die eMail Funktionalität tritt vor den ganzen Zusatzoptionen durch die web.de erhofft Geld zu verdienen so in den Hintergrund, dass es für unerfahrene Benutzer nichtmal klar ist, wie sie denn jetzt eine neue eMail lesen oder schreiben.

Ich bin mir bewusst, dass dies ein gestückelter Bericht aus subjektiven Extrembeispielen ist, dennoch … Wie auch immer. Wollt ich mal festgehalten haben…

5 Gedanken zu „Kinderleichte Computer“

  1. So gestückelt finde ich den Eintrag gar nicht, aber sehr interessant zu lesen. Ist schon echt krass wie sehr man sich an bestimmte Anwendungshürden gewöhnt, ohne zu merken wie panne die sind. Ich hab vor einiger Zeit auch bei einer Bekannten den Rechner wieder fit gemacht und habe ihr auch direkt Firefox als Standardbrowser eingerichtet, um ihr dann auch direkt die Vorteile des Tab-Browsing näher zu bringen. Doch als sie bereits Probleme hatte einen Doppelklick, und dann noch auf dem richtigen Symbol zu tätigen, habe ich von diesem Unterfangen abgesehen. Ganz abgesehen vom Grundverständnis („Und wo ist jetzt hier das Internet?“).

  2. Zu Strg-Alt-Entf: Da faellt mir immer der Windows Admin ein der sich an dem Server anmelden will dessen Bildschirm im Stromsparmodus ist. Kurz danach merkt er dass die Linux Box rebootet.

  3. extrem interessante sache!!
    da sollte man doch meinen das sich die kiddies heutzutage, da sie ja schon meist ab dem zarten alter von 6 jahren nen rechner im kinderzimmer stehen haben, ganz gut auskennen. aber anscheinend beschränkt es sich wirklich nur auf computerspiele die zum prügeln animieren………….schade. aber respekt an die, die sich die mühe machen einzugreifen. gruß&so

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