Weltjungkatholikentag

Ein paar Stichpunkte:

  • Nur eine religionsübergreifende Aktion würde den Namen Weltjugendtag verdienen
  • Die Organisation ist auf allen Ebenen stark verbesserungswürdig
  • Große Pilger-Zahlen, Medienpräsenz und so ein Megaevent als Chance für eine Kirche, die ständig Mitglieder verliert
  • „Mach et Ratze“ und „Ich bin katholisch“ T-Shirts: Glaube ist in
  • Personenkult: Wir sind gekommen um IHN abzubeten. Wen jetzt?
  • Das mit der Organisation war ein Euphemismus. Sie ist derb-scheisse.
  • Stadionähnliche Sprechgesänge: Benedetto *Klatsch Klatsch – KlatschKlatsch KlatschKlatsch*
  • Der Papst ist in der Bravo – Glaube als Popkultur?
  • Scoutmission war nicht besser organisiert
  • Und langweilig

Ein Freund und ich waren als Helfer bei Scoutmission, einem Zeltlager auf den Düsseldorfer Rheinwiesen. Wir wurden in den Bereich Veranstaltungstechnik eingeteilt und haben dann dort hauptsächlich das Programm bestehend aus Podiumsdiskussionen und Bands auf der öffentlichen Bühne vor dem Camp Gelände technisch betreut. Ich frage mich wie das bei anderen Menschen ohne unser Halbwissen gelaufen wäre. Wir kannte beide nur analoge Pulte und haben beide zum ersten mal ein Digitales Mischpult bedient. Das war zeitweise recht spannend, lehrreich und stressig. Nach 4 Stunden ohne Band sondern Podiumsdiskussion mit der ach so tollen Aluminium-Industrie aber auch enorm langweilig.

Das war es eigentlich auch generell. Langweilig. Es hätte sehr viel toller sein können. Aber ein Zeltlager bei dem nach 24 Uhr alle Feuer verboten sind und absolute Ruhe herschen muss ist echt nicht der Hit. Vor allem gibt es so kaum Begegnungspunkte, um in lockerer Atmosphäre andere Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Die Prohibition (ja, Alkoholverbot auf allen WJT-Geländen) sorgte weierhin für mein Unwohlsein, gleichzeitig machte sie aber auch mal wieder die praktizierte Doppelmoral deutlich: Innerhalb des Camps offiziell kein Alkohol. Ausserhalb dann ein „Marktplatz“ mit „Programm“ und Bierständen. Die Pilger zogen dann abends massenweise Fahnen schwenkend durch die Düsseldorfer Altstadt.

Ich will jetzt hier auch nicht allzu lange über das Essen aus den „mobilen Restaurants“ der Firma Sodexho meckern, Andi erzählt dazu etwas als Mitglied des Catering-Teams.

Das Bühnenprogramm von scoutmission war grottenschlecht. Nicht nur die Organisation sondern auch der Inhalt. Nach der offiziellen Eröffnung spielte z.B. eine Sacro-Pop-Band, die angeblich seit 10 Jahren Musik machen, musikalisch aber so inkompetent war, das es weh tat. Da hilft auch das beste Mischpult nix. Eine besonders tolle Geste der Sängerin war es dem applaudierenden Publikum ein „Schhhhh“ zuzurufen, damit sie das nächste Lied spielen kann.

Donnerstag hatte ich dann umgeben von lauter papstbesoffenen einen intensiven Blickfick mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche und konnte danach das Chaos erahnen, das Samstag/Sonntag um Köln herum herrschen wird.

Am Freitag schaute der Hotte vorbei und es gab eine kleine möchtegern-weltverbesserische Diskussionsrunde mit unserem Staatsoberhaupt.

Ich bin froh wieder zu Hause zu sein.

2 Gedanken zu „Weltjungkatholikentag“

  1. Ja, ich kann dir größtenteils nur zustimmen.
    Das Bühnenprogramm war wirklich verbesserungswürdig. Genauso wie die restliche Organisation.
    Aber Hotte fand ich garnicht so schlecht. Der hat nicht ganz so die 0815-Weltverbesserreden geschwungen. Mehr so 0813.

    Übrigens hast du gestern ein ganz nettes Scoutmission Volunteer Fest verpasst ;). Oder warst du da? Habe dich nich gesehen…

    Werde jetzt mal die Bilder übertragen. Bis später 😀

  2. Wobei ich hier nochmal das komische Gefühl erwähnen möchte, das ich hatte, als ich zwischen zig Papst Benedikt Plakaten, Buttons und Sprechchören den Eintrag „Benedikt Handy“ in meinem Mobiltelefon angewählt hab. Ach ja, Preisfrage: Was liegt gegenüber vom Landtag?

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