Wahl-O-Mat VI: Manipulationsvorwurf

Laut Artikeln bei golem.de und Spiegel Online behauptet das Kölner Softwareunternehmen Convit, dass der Wahl-O-Mat „manipulierbar“ sei. Das blog der NRW SPD hatte in der Vergangenheit schon Problemchen mit dem Wahl-O-Mat und greift dies ebenfalls hier auf.

WahOMat

Das klingt natürlich zuerst einmal richtig böse. Manipulation! Bei einer „Wahlempfehlung“!
Aber: Es geht lediglich um die „Übersicht der Wahl-O-Mat Ergebnisse nach Parteienzuordnung“ aller Nutzer, die einem nach seinem Durchlauf angezeigt werden können. (In dieser Liste der Gesamtpräferenzen ist die SPD übrigens mit 9% weit abgeschlagen.)
Den Vorwurf, dass diese Statistik böswillig beinflussbar ist, finde ich überraschend, da ich quasi davon ausgegangen bin, dass die statistische Auswertung eines öffentlichen Web-Angebots verfälscht werden kann.
Oder einfacher: Natürlich ist das „manipulierbar“.

Convit gab gegenüber Golem.de an, dass der Wahl-o-Mat sowohl „händisch“ als auch automatisch mit einer sehr einfachen Software beliebig manipuliert werden könne.

Da muss ich ja fast schon lachen. Zum einen: Das man händisch (also durch einen neuen Durchlauf) eine Nutzer-Statistik beeinflussen kann ist in der Tat ein Skandal. Jede Statsitik sollte lieber direkt frei erfunden werden.

Zum anderen: Ich möchte mich jetzt hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Wahscheinlichkeit, dass man generell Anfragen an Web-Angebote dieser Art automatisieren kann ist sehr hoch. Dafür sind Computer da. Im Falle des Wahl-O-Mate wird dies auch der Fall sein, allein der Aufbau der URL sieht vielversprechend aus. (Ähnlich wird das auch bei yamb gesehen).

D.h. man könnte ein Skript schreiben, dass dann halt beliebig oft den Wahl-O-Mat durchgeht und eine bestimmte Partei als Ergebnis erzielt. Das liesse sich zwar z.B. durch die Eingabe einer Zufallszahl, die der (menschliche) Benutzer aus einer Grafik ablesen muss o.ä. erschweren. Ganz unmöglich machen wird man aber auch das wohl kaum können, solange der Wahl-O-Mat einfach und anonym bleiben soll.

Natürlich wäre es schön, wenn man eine absolut korrekte Statistik über die Gesamtergebnisse des Wahl-O-Mats hätte. Jedoch sollte man sich auch dann bewusst werden, dass diese mit höchster Vorsicht zu geniessen ist, denn man kann keinesfalls allgemeine Aussagen aus ihr ziehen. Es ist keine Wahlprognose. Des weiteren ist doch wohl hoffentlich diese Statistik nicht das Interessante und Ausschlaggebende am Wahl-O-Mat, sondern das persönliche Ergebnis der Parteipräferenz.

Alles in allem ist dieser Manipulationsvorwurf nichts als der Versuch einer Firma in die Schlagzeilen zu kommen. Man schaue sich nur mal den Bereich Presse auf der Firmen-Seite an. Drei Artikel über den Manipulations-Vorwurf. Sonst nichts. Daneben aber der Link zum „Sicherheitscheck für alle Online-Aktivitäten“, den die Firma natürlich auch der Bundeszentrale für politische Bildung angeboten hat.

Teilweise wird sogar (besondes durch verkürzende Schlagzeilen) der falsche Eindruck erweckt, die Manipulation bestünde in dem Ergebnis des Wahl-O-Mats. Als könnte jemandem, der eigentlich die SPD als Ergebnis haben müsste die CDU genannt werden. Dem ist nicht so. Das geht nämlich nun wirklich nicht ohne weiteres. Aber ein Server-Einbruch oder ein Manipulierter Proxy würde auch das ermöglichen.

Wichtig ist denke ich, einmal mehr der Hinweis, nicht alles direkt für 100% korrekt zu nehmen (gerade im Web), es kritisch zu hinterfragen, und sich erst recht nicht einfach nach der anscheinend hauptsächlich vertretenen Meinung zu richten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.