Handyklau

Düsseldorfer Altstadt, Mittwoch. Wohl eher Donnerstag. Gegen 3 Uhr in irgend einer Gasse. Wir kommen zu zweit aus dem Stone. Bleiben stehen, mein Freund holt sein Handy raus um eine SMS zu schreiben. Es ziehen ca. 6 Typen an uns vorbei. Einer spricht uns an „Wo kann man denn jetzt noch gut feiern gehn“. Ein paar Sekunden belangloses Ablenkungsgespräch, dann der schnelle Griff ans Handy und ab. Ich hab gar nicht genau mitbekommen wer es jetzt genau war. Die Hälfte der Typen haut ab. Jeder in eine andere Richtung. Die anderen bleiben stehen, labern einfach noch weiter „Wie, wat war das denn? Den kenn ich gar nicht, alter!“.

Hinterherrennen? Hört sich einfach an. Alles viel zu schnell. Sich einen der anderen packen und es in pure Gewalt ausarten lassen? Zu zweit gegen vier oder mehr? Die haben das mit Sicherheit auch nicht zum ersten Mal gemacht, sind aufeinander eingespielt und schlagen eher zu.

Haben dann die Polizei verständigt, da hörten wir dann „Ja, ich hab auch schon ne Ahnung wer das war“. Bisschen im Manschaftswagen rumgefahren, aber natürlich niemanden mehr gesehen. Karte natürlich sofort sperren lassen. Alles andere aussichtslos. In ein paar Wochen wird dann der Brief von der Statsanwaltschaft kommen, dass das Verfahren eingestellt wurde.

Ich könnte sowas von Kotzen. Diese asozialen Pisser widern mich an. Und, was kann man dagegen tun? Aufpassen. Ts.

Nem anderen Freund wurde auf der Toilette in der Disco auf ähnliche Weise sein Handy nebst Verzehrkarte geklaut. Mir ist’s auf nem Parkplatz passiert. Und ich bin hinterhergerannt. Hab sie auch eingekriegt. Nur in meiner absoluten Naivität nicht mit solchen Typen gerechnet und dafür „auf die Fresse bekommen“.

Sie war sie ist sie bleibt.

Und: Alle Klischees werden bedient. Mindestens drei, eher fünf oder noch mehr Jugendliche die ihrem Aussehen nach Türkischer Herkunft sind. Da können auch formal hoch gebildete, reflektierende Menschen sehr leicht rassistische Gedanken bekommen. Wie oben genannter Freund es kurz danach formulierte: „Nein, ich will nicht alle Türken umbringen. Nur alle zwischen 15 und 25.“ Natürlich nicht ernsthaft, aber es veranschaulicht die Stimmung.

Es macht auch mich sowas von wütend. Vor allem wenn man das ganze dann etwas abstrakter sieht: Am liebsten wollte ich den Typen sagen „Denkt doch mal nachhaltig. Das was ihr tut ist nicht nur strafbar und asozial sondern bestätigt alle Vorurteile und erzeugt ein äusserst unangenehmes gesellschaftliches Klima.“ Nur zweifle ich an der Anschlussfähigkeit dieses Gedanken. Als ob die das kapieren.

Was treibt die denn dazu? Ist das nur n Spiel, ne Art Mutprobe oder ein adrenalinhaltiger Zeitvertreib? So hoch kann die Gewinnspanne doch gar nicht sein. Und warum brauchen die das Geld so dringend?

Vom materiellen Verlust des blöden Mobiltelefons mal ganz abgesehen, ist auch der – ich nenn es mal – persönlich-emotionale Aspekt höchst unangenehm. Allein zu wissen, dass jetzt alle deine Telfonnummern, Kontakte, SMS oder Termine in den Händen dieser Typen sind. Auch in 160 Zeichen können sehr persönliche Dinge stehen. Es bleibt das Gefühl der Wehrlosigkeit. Wut. Vielleicht Angst.

Ich weiss, eigentlich ist sowas eine Kleinigkeit verglichen mit all der anderen Scheisse, die tagtäglich geschieht. Aber es macht gerade durch die konkrete persönliche Erfahrung klar, dass es ne Menge Idioten gibt. Und einiges schief läuft. Ich möchte nicht in so einer Welt leben.

Ein Gedanke zu „Handyklau“

  1. Meine Mutter, mein kleiner Bruder und ich haben vor ein paar Wochen im Parkhaus einen Autoknacker bei der Arbeit erwischt, leider an unserem Auto. Der Mann ist ohne jegliche sichtbare Gewaltanwendung durch die elektrisch verriegelte Beifahrertür eingestiegen und danach mit seinem Schraubenzieher am Handschuhfach verzweifelt.

    Die Situation war ziemlich seltsam, der junge Mann ist nämlich dadurch auf uns aufmerksam geworden, dass meine Mutter die Türöffnung per Fernbedienung bestätigt hat, _bevor_ Sie den Fremden im eigenen Auto bemerkt hatte. Daraufhin knallte die Beifahrertür auf und der Typ gab Fersengeld. Wir waren ziemlich baff, haben ihn auch nicht ernsthaft verfolgt geschweige denn erwischt. Der Schaden war im Nachhinein auch relativ minimal.

    So einen anonymem Angriff auf das Eigentum sollte man eigentlich locker abtun, im Endeffekt ist nichts davon unersetzlich. Durch die Konfrontation mit einem anderen Menschen wird das ganze aber sofort zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit: «_der da_ hat _mein_ Auto aufgebrochen!». Das geht sofort durch auf die tiefste Instinkt-Ebene, was mir einen richtig unangenehmen Geschmack im Mund gibt. Obwohl solche Delikte verhältnismäßig selten vorkommen und mir persönlich so etwas noch nie zuvor passiert ist, hat die Geschichte einen tiefen Eindruck hinterlassen.

    Ich kann nachvollziehen, wie gerade solche Erfahrungen das soziale Klima in eine radikale Richtung drängen. Trotz besseren Wissens werde ich angesichts dieses Ohnmachtsgefühls der Differenzierung müde und hätte jetzt gerne einen funktionierenden Polizeistaat, der im Parkhaus mehr als nur 2 fucking Überwachungskameras installiert, die _ausschließlich_ die Ein- und Ausfahrt überwachen, damit auch ja keiner rausfährt, ohne zu bezahlen. (Außerdem will ich endlich Beamte, die vernünftige Aussagen zurechttippen können; die formale Abtreibung, die sich der Verantwortliche hinterm Schreibtisch abgerungen hat, war unter aller Sau.)

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