Informatik-Projekte ohne Software

Mit einem Wahlpflichtkurs der Stufe 9 habe ich im letzten Quartal 2017 ein Projekt zum Internet gemacht und darüber bloggen lassen. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass ich in Stufe 8 und 9 zwar einige projektorientierte Unterrichtsphase habe, dabei aber das Endprodukt (Webseite/Spiel o.ä) schon vorgegeben ist. Bei echten Projekten nach Dewey suchen sich die Lernenden ihre Fragestellungen jedoch selbst aus. Zudem wollte ich das Inhaltsfeld „Mensch, Informatik, Gesellschaft“ schülernah bearbeiten.

Anregung dazu war für mich das Blogprojekt Postwachstum von Lisa Rosa, welches in der Veröffentlichung „Globales Lernen: Aspekte einer Postwachstums-Ökonomie“ genauer dargestellt wird.

Im Folgenden möchte ich das Projekt aus meiner Sicht reflektieren:

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Das Wohnmobil – Von der (Fehl-)Vorstellung über die Macht der Computer


“Motorhome” by dave_7 is licensed under CC BY 2.0

Der Weg zur Grundschule war etwa einen Kilometer lang. Die Buchen am Rande des Gehwegs warfen im Sommer Schatten und im Herbst ihre Blätter.

Doch egal welche Jahreszeit. Es stand am Wegesrand, war gr0ß, weiß und hatte vier Räder.

Es schien dem 10-jährigen Jungen riesig und wie das Auto gewordene Versprechen nach Abenteuer. Wäre er selber groß und würde ein Wohnmobil besitzen – er würde damit unzählige Reisen unternehmen. Jeden Tag. In jeden Winkel der Welt. Das Wohnmobil auf dem Schulweg stand aber einfach nur herum. Immer am selben Platz.

Warum sollte jemand ein Wohnmobil besitzen, aber es immer nur rumstehen lassen?

Diese Frage ließ ihn wochenlang grübeln. Auch seine Freunde wussten keine Antwort. Ein mysteriöses Rätsel. Wie nur könnte man es lösen?

“Amiga 2000HD” by Dave Ruske
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Hoffnung versprach eine ebenso mysteriöse Maschine: Ein Kind aus der Klasse besaß einen Computer!

Er hatte davon gehört: Diese neuen, man sagte „elektronischen Gehirne“ waren sehr teure aber auch sehr mächtige Maschinen.

Die beiden Kinder verabredeten sich (von Mutter zu Mutter Standardzeit: 15 Uhr bis 18 Uhr.) Der Junge war voller Vorfreude, sein Rätsel bald mit Hilfe des Computers lösen zu können.

Endlich war der Tag gekommen. Für den Jungen war die Wohnung des Freundes eine andere Welt: Im riesigen Fernseher lief die „Gummibärenbande“ und im Kinderzimmer stand ein Computer.

Neugierig lies der Junge sich das Gerät zeigen. Der Freund konnte die Neugierde nicht so recht verstehen, zeigte desinteressiert zwar einige Spiele aber die große Euphorie wich nach und nach großer Enttäuschung: Dem Computer konnte die Frage gar nicht richtig gestellt werden. Zwar gab es viele tolle Spiele, aber zur Lösung des Rätsels könnte die Maschine leider nichts beitragen.

Damit war für den Jungen das Mysterium des ungenutzten Wohnmobils erstmal erledigt.

Den Rest des Tages spielten die beiden. Und da Computer nutzlos und das Rätsel unlösbar schienen, verschwanden für den Jungen Frage und Maschine in Vergessenheit.

Etwa 20 Jahre später

Der Junge hat Informatik studiert und eine bessere Vorstellung davon bekommen, was Computer lösen können (nämlich: berechnen) und bei welchen Aufgaben sie wenig hilfreich sind (nämlich: Komplexe Frage beantworten) und bei welchen sogar gefährlich (nämlich: Komplexe Gegenstände reduzieren).

Was meinst Du: Warum stand das Wohnmobil ständig dort? Wann werden Informatiksysteme das angebliche Mysterium lösen können? Wohin führt es, wenn wir glauben, alles sei durch Maschinen berechenbar?

Audioerinnerung mit Monatsplaylist

Seit 2009 erstelle ich mir jeden Monat eine Playlist mit Neuerscheinungen und alten Entdeckungen, die ich in diesem Monat gerne gehört habe. Ausgangspunkt dafür war es, für meine damaligen DJ-Tätigkeiten aktuelle Kracher und alte Hits parat zu haben.

Dabei werfe ich erst alle Songs/Künstler rein, die ich mir in diesem Monat anhören möchte, schmeiße dann das raus, was mir nicht gefällt, ergänze was mir neu einfällt und sortiere alles anschließend so, dass es eine schön hörbare Playlist ist.

Entwickelt hat sich meine „BenPop“ Playlist mittlerweile zu einer Art Audio-Monatsbuch für mich. Höre ich Lieder, die auf einer solchen Playlist sind, so verbinde ich diese meist automatisch mit dem jeweiligen Monat und meinen damit verbundenen Aktivitäten und (insbesondere) Stimungen.

Noch besser: Eine Monats-Playlist (angetrunken) komplett durchhören: Instant-Flashback-Garantie!

Am Ende des Jahres folgt die Jahresplaylist. Die Spielregeln:

  • Aus jedem Monat nur ein Lied.
  • Alle 12 Lieder bleiben in der aus den Monaten resultierenden Reihenfolge.
  • Es muss eine schön hörbar und das persönliche Jahr wiedergebende Playlist enstehen.

Manche haben Fotos. Ich habe Songs. Dies sind meine zu 2017:

Reflexion #IsraelTrip17

Vor kurzem bin ich von einem Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Israel wiedergekommen. Mit den teilnehmenden SchülerInnen habe ich ein Weblog geführt, in dem unsere Erlebnisse nachzulesen sind.

An dieser Stelle möchte ich ein paar Punkte zu meiner Reflexion schreiben:

Zum dritten Mal war ich in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Ich hab es überhaupt nicht erwartet, aber dieses Mal war für mich besonders emotional. Bei den Einzelschicksalen und Dilemma-Situationen (zB Baby an Bekannte geben und auf Rettung hoffen oder zusammen bleiben) von Kindern und jungen Familien kamen mir als junger Vater die Tränen.
Meine Frage: Wie können Menschen, die selber Sohn oder Tochter, vielleicht auch Vater oder Mutter sind Familien so gewaltsam zerreißen und grausam ermorden?
Meine These: Mangelnde Empathie gepaart mit der Entmenschlichung von ganzen Bevölkerungsgruppen.

Neben dem israelisch-palästinensischem Konflikt schien mir Israel diesmal besonders innerlich gespalten: In Arad gab es kurz vor unserer Ankunft einen Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen der Mehrheit der sekulären oder moderaten Juden und den Ultra-orthodoxen Juden.
Meine Frage: Wie kann das Zusammenleben mit so extremen religiösen Überzeugungen gelingen?
Ich vermute: Nur durch Anerkennung der Grundrechte. Aber eigentlich gar nicht, nur durch Segregation (siehe zB den Stadteil Mea Shearim)

Ansonsten war es eine wirklich tolle Fahrt. Die SchülerInnen beider Schulen waren super und ich hoffe sie haben etwas von diesem „wunderbar komplexen Lerngegenstand“ mitgenommen. Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, dass dies bei einigen SchülerInnen nur auf einer sehr oberflächlichen Ebene (War heiß, alle voll nett) geschieht und würde mir dabei mehr Tiefe wünschen.
Frage: Wie?
Antwort: Mehr Projektarbeit, mehr Zeit und Methoden zur Reflexion.

Ich habe selber als Schüler zweimal an einem Israelaustausch teilgenommen und dabei soviel Spaß gehabt und soviel gelernt und noch mehr in Frage gestellt. Das wünsche ich noch vielen anderen.

 

Musik im Politikunterricht

Momentan ist mir viel nach Musik. Ich ordne meine Dateien, stöbere on- und offline und war endlich mal wieder auf einem Konzert.

Hier einige Lieder, die ich schon mal im Politik- bzw. SoWi-Unterricht verwendet habe, jeweils mit zwei Schlagworten zum Thema – vielleicht inspiriert es jemanden:

Adam Angst – Splitter von Granaten
Medien, Partizipation

Abstürzende Brieftauben – Geh’n sie mit der Konjunktur
Konjunkturzyklus, Wirtschaftswachstum

Deichkind – Bück dich hoch
Arbeitslosigkeit, Leistungsgesellschaft

Dota Kehr – Grenzen
Menschenrechte, Migration

„Fear the Boom and Bust“: Keynes vs. Hayek Rap Battle und „Fight of the Century“: Keynes vs. Hayek Rap Battle Round Two
Wirtschaftsheorien, Angebotstheorie vs Nachfragetheorie
(Sprachlich etwas schwieriger, aber musikalisch, textlich und visuell großartig!)

Jens Friebe – 05_Theke mit den Toten
Vegetarismus, Tierrechte

Superpunk – Neue Zähne für meinen Bruder und mich
Soziale Ungleichheit, Gesundheitspolitik

Worauf ich noch Lust hätte:

Kettcar – Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)
Flucht, Wiedervereinigung

Marcus Wiebuch – Der Tag wird kommen
Homosexualität, Fußball

Die Goldenen Zitronen — If I Were A Sneaker
Globalisierung, Migration

Meist dienten die Lieder als Einstiegsimpuls zur Entwicklung von Leitfragen und nur ansatzweise zur Analyse oder kreativen Auseinandersetzung. Methodisch geht da sicherlich noch viel mehr, z.B. eigene Zeilen dazu texten oder gar ein passendes Musikvideo erstellen.

Was ich auch gerne mal ausprobieren würde, wäre die kollaborative, digitale Annotation eines komplexen Liedtextes zur Interpretation mit entsprechend nötigen Hintergrundinformationen, wie es z.B. Genius.com zur Rap Battle Keynes vs Hayek andeutet.

Dafür sollten sich die Schüler allerdings für das Lied interessieren. Noch besser ist es daher, wenn SchülerInnen eigene Lieder suchen.

Aber ich muss zugeben, ich mag es auch, den musikalischen Horizont der SchülerInnen mal etwas zu erweitern und dann („Finden Sie sowas etwa gut??“) über Thematik und Musikstil ins Gespräch zu kommen. 😉

Videos im Informatikunterricht

Ich persönlich kann mit Video-Tutorials (aka Erklärvideos oder Lernvideos) ja als Lerner eher wenig anfangen. Klar, Visualisierungen sind gut, aber in vielen Videos einfach zu schlecht. Einen Text habe ich viel schneller überflogen und auf Eignung geprüft und dann die für mich wichtigen Stellen reduziert. Bearbeiten->Suchen funktioniert auf YouTube leider noch nicht. Einen Text habe ich auch schneller gelesen, als ein Video geschaut. Die automatisch generierten Untertitel und die Anpassung der Geschwindigkeit bringen da zwar etwas, aber gerade bei Informatik: Aus einem Video kann ich auch kein Copy&Paste von Beispiel-Code machen. Vielleicht bin ich aber auch nur ein von der Kommandozeile großgezogener Kauz 😉

Vielleicht sind Video-Tutorials für SchülerInnen auch genau das richtige. „Videos im Informatikunterricht“ weiterlesen