Darmok: Kommunikation und Kontext

Eine sehr bekannte Episode von Star Trek – The Next Generation (TNG) mit dem Titel „Darmok“

handelt von dem Captain einer nur mit Metaphern kommunizierenden Spezies, der auf einem Planeten Captain Picard zur Teilnahme an einem gemeinsamen Kampf gegen ein Monster zu bewegen versucht.

(Wikipedia: Darmok)

Klingt die Formulierung „Kampf gegen ein Monster“ vielleicht platt und uninteressant, so ist diese Episode ein wunderschönes Beispiel, dass (gute) SciFi eigentlich nur Science und Fiction benutzt um unsere Gesellschaft zu reflektieren.

Die oben genannte Episode ist von 1994, heute durch divergierende (Jugend-)Subkulturen (YouTube statt MTVIVA) und bildsprachlicher Kommunikation (Emojis und animierte Gifs ) aber hoch aktuell.

Für Sprachdidaktiker vielleicht interessant, für diejenigen, welche die Folge jetzt nochmal sehen wollen durch das „Sprach-Quiz“ aber auf jeden Fall: Darmok – Science Fiction Teaching that Language is More than Words and Grammar.

Warum ich darauf heute gekommen bin? Dazu dieses kleine Beispiel aus meiner heutigen Timeline:

tl;dr

Kommunikation ist immer kontextabhängig. Manchmal ist ganz schön viel Wissen nötig, um den Kontext zu verstehen. Kontext ist kulturabhängig. Star Trek TNG ist super.

Digitale Werkzeuge im Politikunterricht: Vier Praxisbeispiele

Anmerkung: Dieser Artikel ist die Rohfassung eines Beitrags für die kommende Neuauflage des Buchs „Methodentraining für den Politikunterricht“ und zeigt anhand von vier konkreten Unterrichtsbeispielen den Einsatz digitaler Werkzeuge im Politikunterricht.

Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche und Vernetzung, Vervielfältigung und Automatisierung werden unsere Gesellschaft noch weiter in großem Maße verändern. Der folgende Beitrag soll eine Anregung sein, wie browsergestützte Online-Tools im Politikunterricht eingesetzt werden können.

Lernen im Zeitalter der Digitalisierung

Warum sollten digitale Medien als methodische Werkzeuge überhaupt im Politikunterricht Verwendung finden? Festzustellen ist zuerst, dass digitale Medien (insbesondere Smartphone und Internet) längst aus der Welt der Schüler nicht mehr wegzudenken sind und die technischen Geräte in Zukunft nicht verschwinden, sondern eher vermehrt zum Einsatz kommen werden.

Um als mündige Bürger in der informationsgesellschaft teilhaben zu können, ist daher eine Förderung der Medienkompetenz auch (oder gerade) eine Aufgabe des Politikunterrichts. Dabei sollte sich das Arbeiten mit digitalen Medien jedoch nicht auf den rein passiven “Konsum” z.B. von Youtube-Videos beschränken, sondern auch die Produktion von digitalen Inhalten forciert werden.

Ganz im Sinne der Dagstuhl-Erklärung “Bildung in der digitalen vernetzten Welt”, muss dabei die anwenderorientierte (“Wie nutze ich das?) mit der technologischen (“Wie funktioniert das”) und der gesellschaftlichen (“Wie wirkt das?”) Perspektive verbunden werden. Für die technologische Perspektive und die Vermittlung von allgemeinbildenden, informatischen Kompetenzen sollte es nach Meinung des Autors ein Fach Informatik für alle Schüler geben (zumindest solange noch in Fächern gedacht wird). Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge und deren kritische Reflexion kann aber auch der Politikunterricht zur “digitalen Bildung” beitragen.

Aus didaktischer Sicht haben digitale Werkzeuge zudem oft den Vorteil, viele Schüler zu aktivieren und ein binnendifferenziertes Lernen im eigenen Tempo zu ermöglichen. Davon abgesehen bieten sie auch neue Möglichkeiten der multimedialen Präsentation sowie räumlich und/oder zeitlich unabhängige Kollaboration – welche zusammen mit Kommunikation, Kreativität und kritischem Denken die Schlüsselkompetenzen (4C/4K) für das 21. Jahrhundert bilden. Im Folgenden werden daher vier Beispiele vorgestellt, um Anregungen zu geben, wie digitale Werkzeuge im Politikunterricht eingesetzt werden können.

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Talks vom 33c3 für den Unterricht

Nachfolgend eine kleine, vorläufige Aufstellung von Talks auf dem 33C3, die ich in irgendeiner Form in meinen Unterricht einfließen lassen möchte (später dazu ggf. mehr):

(Fast) Alle Folien: https://lab.dsst.io/slides/33c3/

Alle Videos: https://media.ccc.de/

  • Spiegel Mining: (Video, Folien, Webseite)
    Schöne Beispiele anhand von Artikeln der Webseite Spiegel Online, wie mit Big Data und passender Visualisierung Erkentnisse gewonnen bzw. bestätigt werden können.
  • Build your own NSA (Video, Folien, NDR-Bericht)
    Wie Firmen Benutzerdaten erheben, pseudomäßig anonymisieren und verkaufen. Was diese Daten aussagen und wie sie sich wieder einzelnen Benutzern zuordnen lassen können.
  • Einführung zu Blockchains (Video, Folien)
    Ein Schüler möchte seine Facharbeit zu „Chancen und Risiken von digitalen Währungen am Beispiel von Bitcoin“ schreiben. Dazu sind einige (technische) Grundlagen zur Blockchain nötig.
  • Nicht öffentlich – Ein Geheimdienst als Zeuge. Szenen aus dem NSA-Untersuchungsausschuss. (Video)
    Entlarvende Szenen wie gut (oder eben schlecht) die parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste funktioniert.
  • Eine kleine Geschichte der Parlamentsschlägerei (Video)
    So erschreckend, dass es wieder lustig ist.

 

Aha-Erlebnisse zum Thema Überwachung

Es etwas naiv von mir, aber ich habe lange angenommen, dass wer sich intensiver mit Computern beschäftigt quasi automatisch ein Verständnis dafür entwickelt, welche Macht mit der Digitalisierung von Informationen, ihrer Verfielfältigung und automatischen Verarbeitung einhergeht und daraufhin ein reflektierendes Technikverständnis entwickelt.

Mein persönliches Schlüsselerlebnis war dabei vielleicht Ende der 90er das Herumexperimentieren mit Fernwartungstools: Mit Back Orifice konnte man unbemerkt auf einen fremden Computer zugreifen und – das war das simpelste aber am besten beobachtbare – das CD-Laufwerk aufmachen. Ich fand das damals sehr beindruckend. Genauso wie sich der Mauszeiger per VNC-Fernzugriff auf einmal „Wie von Geisterhand“ bewegte. Eine ebenso wichtige Erfahrung für mich war das Aufsetzen eines eigenen Mail- und Proxy-Servers für meine Familie und damit einhergehend die Erkenntnis, dass ich jetzt sämtliche E-Mails und Webaufrufe mitlesen könnte. Wie sagte noch gleich Spidermans Onkel? – „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“.

Ich suche noch nach Wegen, dies Schülern klar zu machen und mit Ihnen über die daraus resultierenden Fragen zu sprechen. Denn offensichtlich gibt es keinen Automatismus zwischen Fachkentnissen und „richtigem“ Verhalten. Vielleicht sollte ich daher einfach viel mehr solcher kleinen Erfahrungen ermöglichen und anschließend reflektieren lassen…

Konkret nehme ich mir hiermit vor folgendes zu machen:

  • Packetsniffing im Netz und Mitlesen von E-Mail und Webaufrufen (am besten in einem echten, aber Simulationsumgebung wie Filius wäre auch OK)
  • Fernzugriff auf Rechner (ssh oder vnc auf die RasPis)

Wenn meine Schüler eine moralische Hilfestellung brauchen, was die Anwenung ihrer Informatikkentnisse angeht, so ziehe ich übrigens gerne die Hackerethik heran, die bestimmt auch nach diesen beiden Erfahrungen eine gute Diskussionsgrundlage sein kann.

Praktische Philosophie Stufe 6: Wie wirklich ist Virtual Reality?

Ich unterrichte aktuell (fachfremd) Praktische Philosophie in der Stufe 6. Mir macht es Spaß, gerade auch weil ich die Themen selber sehr spannend finde – siehe diesen Artikel.

Dazu kamen wir in einer Stunde zur Frage „Was können wir sehen?“ nach den „Sehhilfe-Apparaten“ Teleskop und Mikroskop  auf Virtual Reality zu sprechen. In der Folgestunde  brachte ein Schüler seine 3D-Brille mit, ich hab noch zwei Google Cardboard-Brillen und zwei Raspberry Pi aus dem Informatikraum geholt und das folgende Stationenlernen damit gemacht:

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Praktische Philosophie Stufe 6: Tierethik / Wirklichkeit

Ich unterrichte aktuell (fachfremd) Praktische Philosophie in der Stufe 6. Ich tue das, weil ich finde, dass

a) Kirche & Staat getrennt sein sollten und daher konfessionsgebundener Religionsunterricht nichts an staatlichen Schulen zu suchen hat

b) die Auseinandersetzung mit philosophischen / spirituellen / ethischen Themen unbedingt erfolgen sollte

c) die Themen der „7 Fragenkreise“ des Kernlehrplans höchst interessant sind. Diese sind die Frage nach… dem Selbst / dem Anderen / dem guten Handeln / Recht, Staat & Wirtschaft / Natur, Kultur & Technik, / Wahrheit, Wirklichkeit und Medien / Urspung, Zukunft und Sinn.

Ich berichte hier ein paar meiner Erfahrungen und Ideen – wohlwissend, dass ich selber unwissend bin. Ich freue mich über Kommentare.

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Lehrerraumsystem

a311Nach meinem Referendariat hatte ich ein Vorstellungsgespräch an einer Schule mit Lehrerraumsystem. Also: Jeder Lehrer hat seinen eigenen Raum (ggf. teilen sich Teilzeitkräfte einen Raum) und die Schüler wechseln für jeden Unterricht den Raum.

Ich hatte damals die Vorstellung, dass dies ja total blöd sei, da der zentrale Kommunikationspunkt (Lehrerzimmer) dadurch an Wertigkeit verliert und es so zu weniger Austausch im Kollegium kommt.

Ich bin dann an eine Schule gekommen, die das (in Deutschland) „normal“  Klassen- und Fachraumsystem praktizierte und vor kurzem auf das Lehrerraumsystem umgestellt hat.

Seit knapp zwei Jahren habe ich nun meinen eigenen Raum und finde es super, meine drei Hauptgründe:

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Israelaustausch: Besuch aus Arad in Dinslaken

Quelle: Google Earth / Landsat

Ich war als Schüler zweimal im Rahmen von „Jugendbegegnungsmaßnahmen“ in Israel. Dazu gekommen bin ich eigentlich mehr so über zufällige Umwege: Mama war da und große Schwester von bestem Freund. Also… warum nicht? Klingt spannend, ist sonnig, schau ich mir mal an. Ich hatte ja keine Ahnung.

Rückblickend haben mich diese Aufenthalte schon ziemlich beeinflusst. Und das nicht nur, weil ich mir „Fight Club“ lesend am Strand von Tel Aviv den Sonnenbrand meines Lebens geholt habe, den man noch 10 Jahre später sehen konnte…

Nein, sondern weil ich so erst verstanden habe, dass die Welt nicht immer ganz so einfach ist. Und es immer mindestens eine andere Perspektive gibt.

Sehr stark beeindruckt hat mich damals der etwa gleichaltrige Jugendliche, der mir erklärte, dass er sich sehr auf seinen dreijährigen Militärdienst freue aber die UN doch ruhig mal ein paar Monate weggucken solle – Israel würde das Problem mit den Palästinensern dann schon erledigen.

Noch bewegender war  der erste Besuch in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem.

„Es ist kompliziert“. Und mit jeder angeblichen Antwort tun sich mindestens zwei Fragen auf.

Ich kann und will hier weder die deutsch-israelischen Beziehungen noch den israelisch-palästinensischen Konflikt erklären, ich möchte hier nur ein paar Eindrücke aus meiner letzten Austauscherfahrung schildern:

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Themen der Woche im SoWi-Unterricht

Angeregt durch den Artikel „Der politische Wochenbericht – SchülerInnen für Politik begeistern“ von Bertram Noback in „Politisches Lernen 1-2/16“, der Zeitschrift der DVPB NRW, habe ich in meinem aktuellen SoWi-LK ein Format mit dem Titel „Themen der Woche“ eingeführt:

themen-der-woche-header

Jeweils zwei Schüler tragen im Laufe der Woche in einem Etherpad die wichtigsten Ereignisse der Woche zusammen, erstellen daraus einen Wochenbericht und arbeiten ein Schwerpunktthema genauer aus. Der erstellte Wochenbericht geht schon vor der Stunde an die anderen SchülerInnen und die beiden Moderatoren leiten dann die ersten 10-15 Minuten unserer Doppelstunde am Montagmorgen eine Diskussion mit dem Kurs.

Ähnliche Formate habe ich schon früher durchgeführt, durch die Vorgaben zur Vorbereitung erhoffe ich mir, dass sich mind. 2 Schüler für diese Woche intensiver mit den Nachrichten auseinandersetzten und durch das vorbereitete Schwerpunktthema möglichst viele Schüler mitdiskutieren.

Mein Material dazu:

Fragen, an denen ich noch arbeite:

  • Gibt es noch attraktivere Formate (Storify? Blog? Twitter? ) zur Präsentation der Ereignisse, ohne dass es reines Copy&Paste der Schlagzeilen wird?
  • Wie erreiche ich, dass möglichst viele Schüler sich vorab mit den erstellten Wochenberichten – insbesondere den Ausführungen zum Schwerpunktthema – beschäftigen, damit möglichst viele mitreden?